Die deutsche Telekom positioniert sich als Vorreiter und will mehr Frauen in ihre Führungsspitze holen. Bis 2015 sollen 30 Prozent der Positionen im Top-Management und in der mittleren Führungsebene mit Frauen besetzt werden, berichtet die Telekom. Somit wäre der Telekommunikationskonzern eigenen Angaben zufolge das erste Dax- Unternehmen mit einer Frauenquote. Die freiwillige Quote solle für alle 260.000 Mitarbeiter weltweit gelten.
Die Frauenquote sei keine Gleichmacherei, betonte der Vorstandsvorsitzende der Telekom, René Obermann. Vielmehr sei sie ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und eine Notwendigkeit für den Erfolg. „Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser.“
Bisher säßen im Vorstand der Telekom nur Männer. Im Konzernmanagement betrage der Anteil der Frauen 13 Prozent. Im Gegensatz dazu seien bereits 60 Prozent der Absolventen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen Frauen.
Die Telekom kündigte zudem ein Programm zum Ausbau der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Elternteilzeitmodellen, Teilzeitmodellen von Führungskräften, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Kinderbetreuungsangeboten an.
Vor fast neun Jahren wurde zwischen Bundesregierung und Wirtschaftsverbänden vereinbart, dass die Karrierechancen von Frauen auf freiwilliger Basis verbessert werden sollten. Getan hat sich nicht viel: Derzeit seien die deutschen Vorstände zu 2,5 Prozent mit Frauen besetzt, die Aufsichtsräte zu zehn Prozent, berichtet der Spiegel in Bezug auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Angaben des Spiegels zufolge begrüßte die zuständige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder (CDU), die freiwillige Initiative der Telekom. Denn eine gesetzliche Frauenquote könne nur „Ultima ratio“ sein.
Diese würde der Personalvorstand der Telekom jedoch begrüßen. „Die Politik hat hier eine Scham, der Wirtschaft Direktiven zu geben. An dieser Stelle wäre eine Emanzipation der Politik wünschenswert“, sagte Thomas Sattelberger gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Mehr als die Hälfte der Frauen in Führungspositionen und ein Drittel der Männer sehen das laut einer Befragung des Sinus-Instituts genauso. Sie fordern eine verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsgremien. 70 Prozent der befragten Führungskräfte glauben nicht, dass Frauen von allein in mehr Führungspositionen gelangen.